Die Schottischen highlands entdecken

3131st May 2019
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3131st May 2019
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05 Oct. 2019

Kinlochleven, Schottland

TEXT // JAMES SHIRLEY | FOTOS // ROSS BELL

Kinlochleven – obwohl es praktisch vor meiner Haustür liegt, fühlt es sich immer wie ein Abenteuer an, wenn ich dort bin. Es ist ein wilder und rauer Ort, den ich mir für besondere Anlässe aufbewahre. Im Sommer muss ich von meinem Wohnort einfach nur gen Süden radeln, auf und über die Berge, um dorthin zu gelangen.

In den schottischen Highlands sind die winterlichen Bedingungen oft ungemütlich, aber es sollte ein angenehmer Tag werden.
James Shirley
Privateer
James Shirley

Im Winter sind die Flüsse hingegen zu tief, um sie zu durchqueren, und der niedrige Sonnenstand setzt dir ein echtes Zeitlimit. So sehr, dass auf das Dorf Kinlochleven, das sich am Ufer des Loch Leven befindet (daher der Name: „Kin“ ist aus dem Gälischen abgeleitet und bedeutet „Kopf“), in den dunkelsten Monaten des Jahres kein direktes Sonnenlicht scheint.

Obwohl das Dorf im Schatten liegt, ist die Schönheit der umliegenden Landschaft immer wieder überwältigend. Als ich hörte, dass unser Fotograf Ross Bell dort noch nie gewesen war, entschied ich sofort, dass wir dahin fahren, weil die Aussicht von oben so atemberaubend ist. Außerdem nahmen wir unseren Kumpel Miles Mallinson mit, einen heimischen Fahrradmechaniker und Kameramann und einfach ein total netter Typ.

James Shirley

Ich hatte mich schon vor Sonnenaufgang auf den Weg gemacht, um die Jungs aus der Stadt (Fort William) abzuholen. Eigentlich wollten wir uns Kaffee an einem Drive-in-Schalter holen, doch der Van passte nicht durch die Einfahrt, also sind bei laufendem Motor (man weiß nie, ob er wieder anspringt) rein ins Café und sofort wieder rausgesprintet.

Von Fort William sind es nur 40 Autominuten und während der Fahrt brach dann schon der Tag an. In den schottischen Highlands sind die winterlichen Bedingungen oft ungemütlich, aber es sollte ein angenehmer Tag werden.

Kinlochleven gilt als das Eingangstor zu den Bergen. Praktisch überall gibt es Wege und Trails.
James Shirley
Privateer
James Shirley

Kinlochleven gilt als das Eingangstor zu den Bergen. Praktisch überall gibt es Wege und Trails. Mehrere Geländewagenpisten bieten dem modernen Menschen und seinen Fahrzeugen Zugang zu den Hügeln, aber es gibt natürlich auch die alten Bergpfade, die von den HighlandBewohnern über viele Jahrhunderte hinweg angelegt wurden. Wanderer, Trial-Motorradfahrer und Mountainbiker genießen ihre Freiheit und angesichts dieser riesigen Wildnis.

Bald schon würden auch wir dazugehören. Es sollte nicht allzu weit gehen, aber ich wusste, dass wir auf den höher gelegenen, freiliegenden Trails dem Wetter ausgesetzt sein würden, also stellte ich sicher, dass jeder die passende Kleidung dabei hatte. Für Wintertouren ist die Deltashield Hose immer meine erste Wahl. Selbst auf technisch anspruchsvollstem Gelände sitzt sie so gut, dass sie nicht am Sattel hängen bleibt, und dank ihrem Stretchmaterial hat man stets volle Bewegungsfreiheit. 

James Shirley

DeltaShield Jacket

Diese Jacke schützt dich vor Kälte, Wind und Regen.

Die Anstiege in Kinlochleven sind steil, also trug ich anfangs nicht mehr als das Triguard Trikot, aber ich wusste, dass ich die Stormshield Jacke auf dem Rückweg brauchen würde. Die packte ich daher in meinen Rucksack, außerdem ein Paar Raceshield Handschuhe als Reserve und für alle Fälle noch ein extra Baselayer.

Wir erreichten den Fernwanderweg West Highland Way. Er erstreckt sich 154 Kilometer von Glasgow bis Fort William, aber wir haben ihn nur etwa 500 Meter benutzt, um Höhe bis zur asphaltierten Straße zu gewinnen. Dieser Abschnitt des Wanderwegs mit einigen kleinen Bachübergängen und rutschigen Steintreppen, die ordentliche Kletterfähigkeiten verlangen, ist steil und knifflig. Miles mit seinem TrialBackground ließ es einfach aussehen, als ich mich hinter ihm auf dem Weg nach oben quälte.

Auf dem Asphalt waren zwar nicht unsere technischen Fähigkeiten gefordert, dafür aber unsere Fitness. Es war extrem steil. Wie immer. Wir haben uns also im ersten Gang Seite an Seite nach oben gewuchtet, mit dem Wissen, dass es mit zunehmender Höhe etwas leichter wird. Als wir die alte Hütte passierten, verwandelte sich der Asphalt in Schotter und die Steigung flachte ein wenig ab. Erleichtert, dass wir wieder genug Luft zum normalen Sprechen hatten, kletterten wir weiter. Der Schotterweg bestand jedoch aus ziemlich großen, losen Steinen, sodass wir konzentriert bleiben mussten, um die Traktion des Hinterrads aufrechtzuerhalten.

James Shirley

Als wir oberhalb der Baumgrenze waren, erhaschten wir schon die ersten Blicke auf den Loch. Wir hielten bei mehreren Gelegenheiten an, um die Aussicht zu genießen und mit jeder Rast wurde sie imposanter. Als wir uns dem Gipfel näherten, mussten wir die Bikes durch ein Tor im Zaun schieben, der quer zum Berghang verläuft. 

Die Offroad-Piste ging weiter geradeaus, während wir auf der rechten Seite den „Grey Mare‘s Tail“-Weg sahen, der ins Tal hinunterführt und nach dem Wasserfall benannt ist, der sich unten befindet. Dies wäre unsere Option für eine zweite Tagesrunde, falls wir genügend Zeit und Energie dafür hätten. 

James Shirley

Ore

Mountainbiken soll Spaß machen und sicher sein.

Als wir wieder nach vorne schauten, konnten wir unser vorläufiges Ziel erkennen – den „Loch Eilde“-Pfad. Er kreuzt unsere Schotterpiste und führt weiter in Richtung Gipfel des Binnein Mor. Hier biege ich normalerweise nach rechts in den Downhill ab, aber ich dachte mir, es wäre cool, stattdessen nach links abzubiegen und ein wenig höher zu klettern. Wir wussten, dass wir nicht weit kommen würden, weil der Schnee und die eisbedeckten Felsen für tückische Bedingungen sorgten. Nach fünfzehn oder zwanzig Minuten ging es dann nicht mehr weiter. Wir nahmen einen schnellen Snack zu uns und genossen noch einmal das grandiose Panorama, bevor wir uns umdrehten und ich unsere kleine Gruppe auf der letzten Etappe zurück zum Van anführte. Als wir wieder an der Schotterpiste waren, fuhren wir geradeaus darüber, um dem Wanderweg weiter zu folgen. Nach ein paar flowigen Kurven gab es noch einen steilen und heftigen Aufstieg, bevor die Abfahrt richtig begann. Nochmal sammeln, tief durchatmen – und dann ließen wir es krachen. 

James Shirley

Ich sprach zwar vorhin von einem Trailnetz, aber man darf nicht vergessen, dass diese Wege nicht gebaut wurden, um darüber mit Rädern zu rollen. Fußerosion und das unerbittliche Peitschen von Wind und Regen sind für den einzigartigen Fahrstil in Kinlochleven verantwortlich.

Im oberen Abschnitt trat ich kräftig in die Pedale, durch Pfützen und über die lockeren Felsbrocken, von denen sich einige lösten und neben mir nach unten rollten. Ich konnte den armen Miles schreien hören, als er die beweglichen Hindernisse überwinden musste, die ich ihm hinterlassen hatte.

James Shirley

Unterhalb der Baumgrenze wurde der Untergrund wieder fester. Der Weg begann sich durch den Wald zu schlängeln und immer wenn ich aus einer Spitzkehre herausschoss, konnte ich sehen wie Miles mir am Hinterrad klebte. Mit etwas mehr Flow konnte ich mich entspannen und das Abenteuer wirklich genießen. Ich mag es ungemein, wenn ein Trail beim Fahren so viel Abwechslung bietet. Die Berge und die Trails in Kinlochleven sind unglaublich vielfältig, und da sie sich ständig verändern, muss man immer aufmerksam sein, um zu sehen, was als nächstes kommt – auch wenn man denkt, dass man es schon weiß.

Als wir im Dorf ankamen, war die Sonne schon fast untergegangen. Wir warfen unsere Bikes hinten rein und nahmen den Van, um die letzten paar Sonnenstrahlen einzufangen. Bei einer Tasse Tee, etwas Käse und Haferkeksen saßen wir da und plauderten über die besten Momente unserer Tour. 

James Shirley